Ob in Thailand, China oder Korea – bei einem Urlaub in Asien gehören die Besuche von Tempeln und Schreinen zur Entdeckung der Kultur. Auch in Japan kann man viele alte und beeindruckende Tempel und Schreine besichtigen.

Der heiligste Schrein des Shintoismus in Japan ist der Ise-Schrein, im Japanischen lediglich als „Jingu“ bezeichnet. Er steht in der Stadt Ise in der Präfektur Mie. Dabei ist zwischen dem Inneren Schrein, Naiku genannt, und dem Äußeren Schrein, Geku genannt, zu unterscheiden. Diese stehen etwa 6 Kilometer von einander entfernt. Hat man als Besucher genügend Zeit, sollte zunächst der Geku und danach der Naiku aufgesucht werden. Bleibt nur Zeit für einen Schrein, ist der Naiku zu bevorzugen.

Auf dem Foto ist eine Veranstaltungshalle im Naiku, dem sog. inneren Teil des gesamten Komplexes, des Jingu, zu sehen.

Die Eingangsvorhänge (Noren) mit dem Wappen (Mon) der kaiserlichen Familie, der Chrysantheme (Kiku).

Der Geku dient der Verehrung von Toyouke Omikami, der Göttin für Essen und Kleidung und wurde im Jahr 478 erbaut. Der Legende nach hatte der Yuryaku-Tenno einen Traum von der Göttin Amaterasu, in dem die Göttin ihm erzählte, dass sie nicht genügend Essen erhielt und ihn bat, Toyouke Omikami von Tanba zu ihr zu bringen, damit sie sich um die Mahlzeiten von Amaterasu kümmern konnte. Seit dem Bau des Geku wurde der Wunsch von Amaterasu jeden Morgen und jeden Abend durch die Higoto-asayu-no-omikesai-Zeremonie erfüllt.

Im Naiku wird die Göttin Amaterasu direkt verehrt. Sie gilt als Hauptgöttin des Shinto und als Ahnin der kaiserlichen Familie. Der Bau des Naiku erfolgte vor etwa 2000 Jahren. Den Schrein betritt man über eine große Brücke aus Holz, die Uji-Brücke. Die mehr als 100 Meter lange Brücke führt über den heiligen Fluss Isuzu und gilt als Übergang von der alltäglichen in die heilige Welt.

Im Isuzu-Fluss kann man sich vor dem Betreten des eigentlichen Geländes Hände und Mund reinigen, wie es beim Besuch eines Shinto-Schreines der Brauch ist. Nicht zuletzt stellt das Ufer des Isuzu einen sehr beeindruckenden und besinnlichen Ort im Naiku dar. Der Weg führt an kunstvoll geschnittenen Kiefern entlang bis zu einer großen Steintreppe, die zum eigentlichen Heiligtum des Schreines führt. Ab hier ist das Fotografieren verboten. Das Hauptheiligtum, in dem sich angeblich „Yata no Kagami“ (der Heilige Spiegel), eines der drei Throninsignien Japans befindet, darf zudem von Besuchern nicht betreten werden. Lediglich die kaiserliche Familie hat hier Zutritt.

Anders als typische Shinto-Schreine, erstrahlt der Ise-Schrein nicht in einem kräftigen Orangerot, sondern wirkt in seiner naturbelassenen Erscheinung sehr bescheiden und dezent. Dennoch wird er als heiligster Shinto-Schrein Japans jährlich von mehreren Millionen Menschen aufgesucht. Als Teil der Shinto-Tradition werden sowohl der Naiku und der Geku als auch die Uji-Brücke alle 20 Jahre neu errichtet.

Nach dem Besuch des Schreins lohnt sich zudem ein Ausflug in das angrenzende Viertel, welches auf dem Rückweg rechts von der Uji-Brücke liegt. Hier stehen viele alte, traditionelle Holzhäuser und man kann verschiedene japanische Speisen genießen oder auch Mitbringsel besorgen, wenn man nicht schon zuvor im Schrein ein „O-Mamori“ gekauft hat. Dies sind kleine Stoffbeutel, in denen von Mönchen geschriebene Zeichen, die sogenannte O-Fuda, enthalten sind. Sie dienen als Talisman und eignen sich wunderbar als Reiseandenken an den Besuch im Ise-Schrein.

 

Bildquelle: von Fg2 (Eigenes Werk) via Wikimedia Commons

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