Die Transsibirische Eisenbahn gilt als das letzte große Abenteuer. Mit über 9000 km ist sie die längste Eisenbahnstrecke der Welt und führt von Europa nach Asien. Die ursprüngliche Strecke verläuft von Moskau bis nach Wladiwostok. Die meisten Touristen biegen aber am Baikalsee ab und fahren durch die Mongolei bis nach Peking weiter. Dies wird auch als Transmongolische Eisenbahn bezeichnet. Von Peking fliegen dann die meisten Leute zurück. Wer mehr Zeit hat, kann natürlich noch eine Reise durch Asien hinten dran hängen.

Das letzte Abenteuer der Welt wird von einige Reiseanbietern aber ziemlich weich gekocht. So gibt es eine Reihe von „Luxuszügen“ mit vergoldeten Betten und deutschen Ansprechpartnern, die einem jeden Wunsch von den Augen ablesen. Sicherlich ganz nett, aber mit Abenteuer hat das natürlich nicht mehr viel zu tun.

Wer das wahre Abenteuer erleben will, muss sich von den Reiseanbietern verabschieden und die Fahrt auf eigene Faust planen. Aber wo fängt man damit an? In diesem Artikel zeige ich den Weg von der Idee bis zur Abfahrt.

Ich selbst bin 2009 zusammen mit 2 Freunden mit der Transsibirischen Eisenbahn gefahren. Als Studenten kam eine teure Pauschalreise für uns von Anfang an nicht in Frage und außerdem waren wir natürlich heiß auf das Abenteuer. Damals gab es so gut wie keine Infos im Internet. Also haben wir ohne große Vorbereitung ein Flugticket nach Moskau gebucht, ein Visum besorgt und den Rest vor Ort organisiert. Es hat alles geklappt, aber ein paar mehr Infos vorab wären schon nicht schlecht gewesen. Nach der Reise habe ich meine Erfahrungen auf der Seite Transsib Tipps zusammengefasst.

Tickets für die Transsibirische Eisenbahn kaufen

Transsibirische Eisenbahn Ticket

Die erste Frage ist natürlich: Wie komme ich an die Fahrkarten? Hier gibt es im Prinzip 2 Wege. Entweder man kauft die Tickets alle vorher, am einfachsten online. Hier haben viele Leute gute Erfahrungen mit dem Reiseanbieter RealRussia gemacht. Dort können Reise und Zwischenstopps genau geplant werden. Auch der Service ist sehr gut.

Der wohl größte Nachteil am Online-Kauf ist die mangelnde Flexibilität. Jede Teilstrecke steht im Vorfeld fest. Es ist nicht möglich mal länger an einem Ort zu bleiben, der einem gut gefällt.
Wer eher spontan veranlagt ist, kann die Tickets auch vor Ort am Bahnschalter kaufen. Aber Achtung: Man kann nicht davon ausgehen, dass die Leute am Schalter Englisch können. Wer kein Russisch spricht, muss sich mit Händen und Füßen verständigen. Mit ein wenig Vorbereitung und den wichtigsten Wörtern auf einem Blatt Papier ist das aber möglich. Gegenüber dem Online-Kauf kommt man so auch noch günstiger weg.

Die Flexibilität hat aber auch ihre Schattenseiten. Wer Pech hat, muss mehrere Tage auf ein Ticket warten, da alles ausgebucht ist. Wer also im Anschluss an die Fahrt einen Flug bucht, sollte lieber ein paar Extra-Tage einplanen.

Die Wagenklassen

Transsibirische Eisenbahn Wagenklassen

Bereits bei der Buchung der Tickets, muss man sich für eine Klasse entscheiden. Prinzipiell gibt es in der Transsibirischen Eisenbahn 3 Klassen. In jeder Klasse hat man ein eigenes Bett.
Die 3. Klasse wird auch als Platzkartny bezeichnet. Hier fahren die russischen Familien und die Tickets sind natürlich günstiger als in den anderen Klassen. Auf der einen Seite des Gangs befinden sich offene Abteils ohne Türen. Auf der anderen Seite sind die Betten parallel zum Gang. Mit insgesamt 54 Betten ist in einem solchen Wagen ganz schön was los. Das ist sicherlich nicht für jeden etwas. Es ist aber die mit Abstand beste Möglichkeit mit normalen russischen Menschen in Kontakt zu kommen.

In der 2. Klasse trifft man überwiegend Touristen und etwas wohlhabendere Russen an. Hier gibt es Abteils mit je 4 Betten. Jedes Abteil hat eine Tür, die abgeschlossen werden kann. Wer etwas mehr Ruhe braucht, ist hier mit Sicherheit besser aufgehoben.

In der 1. Klasse gibt es nur 2 Betten je Abteil. Wer zu zweit reist und sicher gehen will, nicht mir fremden Menschen in einem Abteil zu schlafen, muss die 1. Klasse buchen. Logischerweise sind diese Tickets auch am teuersten.

Auch bei den Wagenklassen muss am Ende jeder für sich selbst entscheiden: Abenteuer oder Ruhe und Komfort.

Visumsangelegenheiten

Russland Visum

Die russischen Visumsbedingungen sind ziemlich kompliziert. So kompliziert, dass es sich meiner Meinung nach lohnt, eine Agentur zwischenzuschalten. Das kostet so 20-30€ extra und dafür spart man sich den ganzen Stress mit Einladung, persönlicher Vorsprache usw. Wir haben unser Visum über Docu Legal organisiert und das hat super geklappt.

Auch die Bedingungen für das chinesische Visum sind ziemlich kompliziert. Ich würde empfehlen, beide Visa direkt bei einer Agentur in Auftrag zu geben. Für die Mongolei braucht man kein Visum.

Wie immer gilt bei Visumsangelegenheiten, dass sie sich jederzeit ändern können. Die aktuellsten Infos gibt es beim Auswärtigen Amt.

In der Transsibirischen Eisenbahn

In der Transsibirischen Eisenbahn

Egal wie man Tickets und Visa organsiert hat, irgendwann ist es soweit. Die erste Fahrt steht an. Bevor es los geht, empfehle ich das Gepäck wie bei einem Flug in Handgepäck und Hauptgepäck zu unterteilen. Zwar kommt man auch an das große Gepäck jederzeit dran, in der Regel ist es aber in einem großen Gepäckfach oder unter den Betten verstaut. Da ist es nervig und aufwändig das ständig auspacken zu müssen.

Ins Handgepäck kommt neben Büchern, Musik, Spielen und sonstiger Unterhalt ein wenig Essen und Trinken. Sehr beliebt sind Fertigsuppen. In jedem Waggon gibt es heißes Wasser und so kann man sich unterwegs eine warme Mahlzeit machen. Ansonsten gibt es natürlich auch Speisewagen, die Qualität ist aber eher niedrig.

Damit die erste Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn nicht in Stress ausartet, sollte man etwa eine halbe Stunde vor Abfahrt am Bahnhof sein. In der Regel kann man nicht auf den Bahnsteig, sondern wartet in einer großen Wartehalle. Erst wenn der Zug bereit zum Einstieg ist, werden die Türen aufgemacht und alle strömen auf den Bahnsteig. Damit es kein schreckliches Gedrängel im Zug gibt, lassen einen die Schaffner nur in den Waggon einsteigen, der auf dem Ticket steht.

Im Zug kann man dann sein Gepäck verstauen und es sich gemütlich machen. Eine Jogginghose und Schlappen sind die übliche Kleidung. Nach kurzer Zeit werden die Schaffner Bettwäsche austeilen und die Tickets einsammeln. Mit den Tickets wissen die Schaffner genau wer wo aussteigen muss. Kommt man in der Nacht an, wird man rechtzeitig vorher geweckt. Man muss also keine Angst haben, seine Station zu verpassen.

Fazit zur Reise

Die Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn lässt sich auch problemlos auf eigene Faust organisieren. Mit ein paar Vorbereitungen kann man das letzte große Abenteuer auch heute noch erleben. Wer jetzt Lust auf die Reise bekommen hat, findet auf meiner Seite Transsib Tipps viele weitere Infos zur Planung der Reise. Bei individuellen Fragen freue ich mich auch immer über eine E-Mail.

Gute Fahrt!

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